Wie du endlich gute Gewohnheiten entwickelst: 7 fundierte Tipps

Dominik Spenst | 01-01-2020 | 12 min Lesezeit

Weniger Süßkram essen, täglich Zahnseide benutzen, Fencheltee statt Alkohol trinken, und drei Mal die Woche Sport treiben. Wie oft bist du schon mit guten Vorsätzen ins neue Jahr gestartet, nur um schnell wieder in alte Verhaltensmuster zu verfallen? Wie soll das auch klappen mit dem Fencheltee, wenn Anfang Januar perfektes Rotweinwetter ist? Warum sollte man ausgerechnet bei Schnee und Frost mit dem Joggen anfangen? Und wer hat schon Lust, in die Muckibude zu gehen, wenn die nach Silvester so rappelvoll ist?

Obwohl sich fast jeder mit guten Vorsätzen ins neue Jahr stürzt, gelingt es nur zwölf Prozent der Menschen, ihre Vorsätze einzuhalten, 88 Prozent scheitern also an ihnen. [1] [1] Fast jeder scheitert bei der Umsetzung seiner Ziele: Anthony Robbins (2012): Change, Robbins Research International Aber woran liegt das? Worin liegt der Unterschied zwischen verwirklichten und geplatzten Träumen, zwischen erfüllten und unzufriedenen Menschen, und zwischen denjenigen, die etwas schaffen und denen, die geschafft sind? Die Antwort liegt ... Trommelwirbel …

In den guten – oder eben nicht so guten – Gewohnheiten! Sie lenken etwa 95 % unserer täglichen Entscheidungen und sind daher mit eindeutiger Mehrheit der Chef in unserem Kopf. [2] [2] Nur 5 % unserer Entscheidungen sind bewusst: Zaltmann, Gerald (2003): How Customers Think: Essential Insights into the Mind of the Market Aus diesem Grund ist die Fähigkeit, gute Gewohnheiten zu entwickeln, wahrscheinlich eine der wichtigsten Fähigkeiten überhaupt. Auch wenn es weder ein Zuckerschlecken ist noch von heute auf morgen gelingt, neue Gewohnheiten aufzubauen, wird es dir mit der richtigen Vorgehensweise leichter fallen und sogar Spaß machen. Die folgenden wissenschaftlich fundierten Tipps helfen dir, die Macht der Gewohnheit endlich – ohne Kampf und ohne Krampf – zu deinen Gunsten zu nutzen.

1. Starte mit Mini-Gewohnheiten für Maxi-Erfolge

Hast du dir schon mal vorgenommen, jeden Tag um 5 oder 6 Uhr aufzustehen, um an deinem Herzensprojekt zu arbeiten oder Sport zu treiben? In der Studienzeit bin ich so oft an diesem Vorhaben gescheitert, dass ich irgendwann aufgehört habe zu zählen. Erst als ich mich langsam an meine Wunsch-Gewohnheit herangetastet habe – und zunächst um 7:50, dann um 7:40, um 7:00 Uhr und so weiter aufgestanden bin – hüpfte ich schließlich sieben Monate lang ausnahmslos um 6:00 Uhr aus dem Bett. Erst Jahre später habe ich verstanden, dass ich damals unbewusst das Konzept von „Mini-Gewohnheiten” praktiziert hatte. [3] [3] Mini-Gewohnheiten als Erfolgsrezept: Stephen Guise (2018): Viel Besser als gute Vorsätze: Wie Sie mit Mini-Gewohnheiten Maxi-Erfolge erleben

Kleine Taten, die man ausführt, sind besser als große, die man plant. – George C. Marshall

Ein kleiner Ausflug in die Naturgesetze der Bewegung verdeutlicht, warum dieser Ansatz so praktikabel ist: Für jedes Vorhaben verbraucht der Wechsel von Stillstand zu Bewegung – von Trägheit zu Tätigkeit – die meiste Energie. Das gilt genauso für den Start eines Flugzeugs wie für jede neue Gewohnheit, die du in dein Leben holen möchtest. Wenn der Start die meiste Kraft zieht, empfiehlt es sich logischerweise so viel Gewicht wie möglich loszuwerden, um ihn so leicht wie möglich zu gestalten. Aus diesem Grund ist das Prinzip von Mini-Gewohnheiten so effektiv und auf jeden Vorsatz übertragbar: Du nimmst einfach deine Zielgewohnheit – z.B. 100 Kniebeugen am Tag – und brichst sie auf eine Mini-Version davon herunter – z.B. auf 20 oder sogar 5 Kniebeugen pro Tag. Hauptsache ist, die Aktivität so klein zu halten, dass du sie auch wirklich umsetzt. Sobald du genug Energie aufgewendet hast, um die erste noch so klitzekleine Startbewegung zu schaffen, ist es vergleichsweise leicht in Bewegung zu bleiben.

Plötzlich ist die Schwungkraft auf deiner Seite, und die Lust auf mehr kommt ganz von allein. Durch die geringen Anforderungen von Mini-Gewohnheiten zelebrierst du einen kleinen Erfolg nach dem anderen, hast Freude am Aufbau deiner neuen Gewohnheit und bleibst dadurch langfristig motiviert. 

Das Motto lautet: Ein einfacher Start ist ziemlich smart. 
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2. Verknüpfe deine Gewohnheit mit Ort und Zeit

Hast du schon mal versucht, dich durch motivierende Videos oder Vorträge aufzufraffen? Der Motivationspsychologe Peter Gollowitzer stellte heraus, dass weder Videos noch Vorlesungen über die Vorteile deiner Vorhaben einen messbaren Effekt darauf haben, ob aus Worten auch Taten werden. Gleichzeitig konnte er jedoch zeigen, dass man diese Wahrscheinlichkeit durch das Aufschreiben eines sogenannten „Umsetzungsplans” von durchschnittlich 35 % auf erstaunliche 91 % erhöhen kann. [4] [4] Die Effekte von Implementierungsplänen Gollwitzer, P. M. (1999). Implementation intentions: Strong effects of simple plans. American Psychologist, 54, 493-503 Dabei ist dieser Plan nichts anderes als ein einfacher Satz, der deine Gewohnheit mit einer Orts- und Zeitangabe verknüpft. Ein paar Beispiele dazu: 

  • Wissen aufbauen: Anstatt dir vorzunehmen, dir ab jetzt mehr Wissen anzueignen, kannst du dir zum Beispiel aufschreiben: „Heute nach dem Abendessen lese ich auf der Couch ein Kapitel in meinem neuen Buch.“
  • Gesund essen: Anstatt "Ich werde mich gesund ernähren", schreibst du: „Ich schnippel mir nach Feierabend einen Koriander-Mango-Salat in meiner Küche.”
  • Weniger Stress: Anstatt „Ich möchte entspannter bleiben.” schreibst du: „Jedes Mal, wenn ich mich auf der Arbeit aufrege, atme ich zweimal tief durch, bevor ich rede.”

Etliche Studien konnten zeigen, wie effektiv dieser simple Ansatz ist. [5] [5] Wie Erkenntnis und Motivation zusammenhängen:The vololitional benefits of planning" in P.M. Gollowitzer & J.A. Bargh (Eds.) (1996): The psychology of action: Linking cognition and motivation to behaviour (pp. 287–312) Spar dir also die Zeit, um Motivationsvideos zu schauen, und mit unpräzisen Vorhaben Luftschlösser zu zeichnen. Nimm dir stattdessen ein Minütchen, um konkret aufzuschreiben, wann und wo du deine Pläne umsetzen möchtest.

Das Motto lautet:  Ein konkreter Start ist ziemlich smart.
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3. Spiele Gewohnheiten-Tetris

Wie viele Gewohnheiten sind bereits fester Teil deines Lebens? Da Gewohnheiten nun mal Verhaltensweisen sind, die du ausführst ohne groß darüber nachzudenken, liegt es in der Natur der Sache, dass deine Antwort auf diese Frage nicht aus der Pistole geschossen kommt.  Egal, ob „morgens aufs Handy schauen”, „die Zähne putzen”, „zuerst den linken und dann den rechten Schuh binden” oder „einen Kaffee trinken” – das Gute an deinen etablierten Routinen ist, dass du sie als Fundament für die Entwicklung neuer Gewohnheiten nutzen kannst.

Anstatt zum Beispiel die Gewohnheit, morgens ein Glas Wasser zu trinken, von null auf neu zu entwickeln, kannst du sie mit deinem morgendlichen Kaffee verknüpfen. Verhaltensforscher nennen diese Strategie „Gewohnheiten-Stapeln”[6] [6]  Gewohnheiten stapeln: S.J. Scott (2013): Habit Stacking: 97 Small Life Changes That Take Five Minutes Or Less Wir nennen es Gewohnheiten-Tetris, da nicht alle Gewohnheiten zueinander passen und es, genau wie beim Tetris-Spiel, durchaus eine Rolle spielt, wie genau du sie aufeinander stapelst. Indem du die folgende Formel ausfüllst, kann der Spielspaß – ganz ohne Gameboy – beginnen: 

Nachdem ich (bestehende Gewohnheit), werde ich (neue Gewohnheit). Das könnte zum Beispiel so aussehen: 

  • Nachdem ich zu Mittag gegessen habe, mache ich einen Spaziergang um den Block. 
  • Nachdem ich fünf Minuten meditiert habe, lege ich meine wichtigste Aufgabe für den Tag fest.
  • Nachdem ich meine Mails gecheckt habe, stelle ich alle Benachrichtigungen für eine Stunde aus. 

Auf diese Weise nutzt du Verhaltensweisen, die sich über Jahre in deinem Gehirn verwurzelt haben, als sicheren Anker und erhöhst die Wahrscheinlichkeit, dass auch deine Wunsch-Gewohnheit Teil von dir wird.

Das Motto lautet: Erfinde das Rad nicht neu, sondern motz dein altes Rad auf.
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4. Ein Ausfall ist kein Reinfall

Was denkst du, wie lange du brauchst, um eine Gewohnheit erfolgreich zu ändern? – Im Durchschnitt dauert die Phase vom bewussten Ausführen einer Tätigkeit bis zur automatisierten Gewohnheit 66 Tage. [7] [7] 66 Tage bis zur festen Gewohnheit Lally, Phillip- pa/H.M.Van Jaarsveld, Cornelia/Potts, Henry W.W./Wardle, Jane (2009): How habits are formed: Modelling habit formation in the real world, in: European Journal of Social Psychology, Ausgabe 40 (6) Gar nicht so lange, wenn man überlegt, dass man danach potenziell jahrelang davon profitieren kann. Je einfacher die Gewohnheit ist und je mehr Spaß sie dir bereitet, desto schneller geht dieser Prozess. Wenn du in der Aufbauphase mal einen Tag aussetzt, hat das nachweislich keinen langfristigen Einfluss auf den erfolgreichen Aufbau deiner neuen Gewohnheit. [8] [8] Wie Gewohnheiten entstehen: Lally, Phillip- pa/H.M.Van Jaarsveld, Cornelia/Potts, Henry W.W./Wardle, Jane (2009): How habits are formed: Modelling habit formation in the real world, in: European Journal of Social Psychology, Ausgabe 40 (6) Vereinzelte Aussetzer werden dir also verziehen. 

Die Gewohnheit ist ein Seil. Wir weben jeden Tag einen Faden, und schließlich können wir es nicht mehr zerreißen. – Thomas Mann

Um nach einem Aussetzer schnell wieder an deinem Seil zu weben, kannst du auch eine Mini-Version deiner Gewohnheit ausüben. Du kannst heute mal nicht 10 Minuten meditieren? Dann nimm dir zumindest 30 Sekunden. Du hast heute einfach keine Zeit, um eine Stunde ins Fitness-Studio zu gehen? Dann mach nur eine Übung oder ein 10-Minuten-Training. Du schaffst es heute nicht, eine ganze Seite in deinem Tagebuch zu füllen? Dann fass den Tag in einem Satz zusammen.

Eins heute ist besser als zehn Morgen. – Deutsches Sprichwort

Lass die Finger von der Alles-oder-Nichts-Mentalität, denn die produziert oftmals keinen Fortschritt und zieht obendrein ein schlechtes Gewissen nach sich. Gestatte dir, etwas weniger zu tun, um danach wieder zu deiner üblichen Routine zurückzufinden. Für das Zustandekommen deiner neuen Gewohnheit ist Kontinuität langfristig viel wichtiger als Perfektion. Wie Sheryl Sandberg, die Co-Geschäftsführerin von Facebook,  so schön sagte: "Erledigt ist besser als perfekt".  Für den Moment mag es dir lächerlich vorkommen, 30 Sekunden zu meditieren. Über die Summe der Momente, die dein Leben ausmachen, können solche kleinen Handlungen allerdings den Unterschied zwischen der Person ausmachen, die du bist und der Person, die du sein möchtest.

Das Motto lautet: Weniger ist wesentlich besser als nichts. 
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5. Nutze dein WARUM als Antriebskraft

Wenn wir etwas in unserem Leben verändern möchten, fragen wir uns oftmals direkt „WAS will ich? Und WIE komme ich dahin?”. Der Job gefällt dir nicht? Also visierst du direkt eine neue Stelle an und schreibst 5 Bewerbungen. Du fühlst dich einsam? Also suchst du einen Partner und installierst dir schnurstracks drei Dating-Apps. Der mentale Fokus liegt meist zu schnell auf dem Endresultat und dem Pfad, der am besten ohne Umwege genau dahin führt – zum besseren Job, zur inneren Ruhe, zum Traumpartner oder Traumkörper. Wir klammern uns geistig so stark an das WAS und WIE, dass wir gar keine Zeit haben, uns in Ruhe die viel entscheidendere Frage zu stellen, nämlich: „WARUM möchte ich das?”

Studien zeigen, dass Ziele uns am besten motivieren, wenn sie in engem Zusammenhang mit unserem Warum – mit unseren persönlichen Werten – stehen. [9] [9] Ziele motivieren uns stärker, wenn sie zu unseren Werten passen: Levontin, L. / Bardi, A. (2019): Using Personal Values to Understand the Motivational Basis of Amity Goal Orientation, in: Frontiers in Psychology, Ausgabe 9 Dein Warum ist deine stärkste Antriebskraft, dein Treibstoff. Je voller der „Warum-Tank”, desto mehr Treibstoff hast du, um deine Gewohnheit langfristig in dein Leben zu integrieren.  [10] [10] Danke an Tim Schlenzig für diese schöne Analogie: 12 Gewohnheiten, die dein Leben verändern, S 44-45 Dabei reicht es nicht aus, das Warum in der Theorie zu verstehen. Du musst es wirklich fühlen. Nur weil dein Verstand weiß, dass du in einem Jahr über 3.000 € auf dem Konto hast, wenn du monatlich 250 € sparst, entsteht daraus noch lange keine feste Spar-Gewohnheit. Wenn du allerdings jedes Jahr eine große Reise planst, die genau mit deinem Warum (z.B. „deinen Horizont erweitern”, „Abenteuer” oder „neue Kulturen erleben”) harmoniert, wird deine Antriebskraft ausreichen, um die passenden Spargewohnheiten zu entwickeln.

Mit den folgenden zwei Fragen kannst du überprüfen, ob du dein Warum für die nächste Wunschgewohnheit verinnerlicht hast: Horch in dich hinein und frag dich: Wo trägt mich diese Routine hin, wenn sie zu einem Teil von mir wird? Wie viel erfüllter wird mein Leben in ein, zwei oder fünf Jahren durch die neue Gewohnheit sein? Je mehr du dein Warum dabei spürst, desto voller ist der Treibstoff-Tank für deinen Weg zum Ziel.

Das Motto lautet: Ist dein Warum klar, klappt der Rest wunderbar.
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6. Verknüpfe deine Gewohnheit mit einer Belohnung

Gewohnheiten laufen grundsätzlich in drei Phasen ab: [11] [11] Charles Duhigg (2012): Die Macht der Gewohnheit In der ersten Phase nehmen wir einen Auslöser wahr, der unser Gehirn dazu bewegt, die Gewohnheit „abzuspielen”. In Phase 2 führen wir die Routine dann – quasi auf Autopilot – aus und werden anschließend in Phase 3 dafür belohnt. Jahrelang war der Klang des Morgenweckers der Auslöser für meine Gewohnheit, immer wieder die Schlummerfunktion zu benutzen. Die Belohnung bestand darin, dass ich weiterschlafen konnte und so entstand daraus eine feste Routine. Dieses Beispiel verdeutlicht auch, warum sich schlechte Gewohnheiten viel schneller als gute einschleichen. Sie belohnen uns sofort, während die Belohnung für gute Gewohnheiten oft erst sehr viel später erfolgt:

Wenn du einen fettigen Burger mit Pommes isst, wird dein Gehirn direkt mit Belohnungssignalen überschüttet. Isst du hingegen gesund, spürst und siehst du die positiven Effekte erst später. Wenn du Candy Crush spielst anstatt an deinem Projekt zu arbeiten, wird dein Gehirn direkt durch eine Dopaminausschüttung dafür belohnt. Arbeitest du stattdessen an deinem Projekt, erfolgt die Belohnung dafür erst am Ende des Monats mit deinem Gehalt oder erst nach ein paar Jahren mit deinem Uni-Abschluss. 

Wir leben in einer Gesellschaft, in der eine Belohnung in der Zukunft langfristig mehr wert ist als eine sofortige Belohnung: Daher müssen wir unsere Gewohnheiten so gestalten, dass wir möglichst schnell dafür belohnt werden. Egal, ob du nach einer hochkonzentrierten Arbeitsphase entspannt einen Tee trinkst oder dir nach dem Sport ein Stück Schokolade gönnst, – eine Belohnung kann alles sein, was zu einer Ausschüttung von Dopamin führt. 

Eine besonders hilfreiche und vor allem kalorienarme Belohnung ist die Dokumentation deiner Gewohnheiten. Egal, ob du dafür einen Gewohnheits-Tracker nutzt  oder ein buntes Häkchen in deinem Kalender machst – jedes Abhaken ist ein stiller Triumph. Außerdem kann es unheimlich motivierend sein, wenn sich die Häkchen häufen. So werden aus stillen Triumphen große Errungenschaften – und daraus langfristig gute Gewohnheiten. Ich persönlich nutze seit mehr als vier Jahren einen Gewohnheits-Tracker und bin der Überzeugung, dass einige der besten Routinen in meinem Leben ohne ihn nicht zustande gekommen wären.

Das Motto lautet: Belohne dich für jede gute Gewohnheit,
bis das Belohnen selbst zur Gewohnheit wird.
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7. Pole deine Umgebung auf Erfolg 

Die meisten unter uns würden zustimmen, dass die Menschen, mit denen wir uns umgeben auch unser eigenes Verhalten beeinflussen. Dabei vergessen wir allzu gerne, dass auch die Objekte in unserer Umgebung einen starken Einfluss auf uns ausüben.

Dazu gehören die Gegenstände auf unserem Schreibtisch, die Speisen in unserem Kühlschrank oder die Bilder, die in der Wohnung hängen. Alle Objekte in unserer Umgebung können ein bestimmtes Verhalten auslösen. Studien zeigen zum Beispiel, dass wir Nahrungsmittel auf Augenhöhe deutlich öfter essen [12] [12] Warum Schokoriegel immer an der Kasse liegen Blog/James Clear: Why Stores Place Candy by the Checkout Counter (And Why New Habits Fail) oder dass Smartphones uns bereits ablenken, wenn sie in Sichtweite liegen oder in der Hosentasche stecken[13] [13] Studie: Thornton, B., Faires, A., Robbins, M., & Rollins, E. Apa PsychNet (2014): The mere presence of a cell phone may be distracting: Implications for attention and task performance Indem du also Ungesundes an weniger sichtbaren Orten und dein Smartphone in einem anderen Raum verstaust, wird es dir langfristig leichter fallen, gesünder zu essen und konzentrierter zu arbeiten. 

Passend dazu schreibt der Gewohnheits-Experte James Clear „Die Idee, dass Veränderung schwer ist, ist eine der größten Mythen über menschliches Verhalten. Tatsächlich veränderst du dich ständig mühelos. Die primäre Aufgabe deines Gehirns ist es, dein Verhalten an deine Umgebung anzupassen. Wenn du also bewusst eine bessere Umgebung kreierst, wird die Veränderung automatisch folgen.” [14] [14] Newsletter: James Clear (17. Oktober 2019):  3 Ideas, 2 Quotes, 1 Question Ein paar Beispiele, wie du deine Umgebung nutzen kannst, um leichtfüßig gute Gewohnheiten zu entwickeln:

Verlass dich nicht auf deine Motivation, denn die schwankt bekanntlich wie ein Fähnchen im Wind. Wenn du etwas langfristig verändern möchtest, musst du dich auf etwas verlassen, das konstant ist – und das wird höchstwahrscheinlich eher deine Umgebung als deine Motivation oder Willenskraft sein. 

Das Motto lautet: Pass deine Umgebung an, anstatt dich anzupassen. 
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8. Ein nicht so geheimer Geheimtipp 

Wenn du jetzt hochmotiviert bist, deine guten Vorsätze in echte Gewohnheiten zu verwandeln, habe ich genau den richtigen Wegbegleiter für dich: Das 6-Minuten-Erfolgsjournal (leider aktuell nicht über unsere Website verfügbar, da die erste Auflage bereits vergriffen ist). 

Die Fertigstellung dieses Buches war ein Vorsatz, an dem ich in 2018 gescheitert bin. Die Methoden, mit denen das Projekt dann in 2019 vollendet wurde, sind genau in diesem Buch gelandet. Es soll auch dir helfen, deine persönlichen Ziele – Schritt für Schritt, Gewohnheit für Gewohnheit – zuverlässig zu erreichen. 

Während ich diesen Satz hier schreibe, blicke ich auf eines der produktivsten Jahre meines Lebens zurück – und das obwohl ich mein Arbeitspensum um etwa 30 % reduziert habe. Im 6-Minuten-Erfolgsjournal findest du nicht nur die Erklärung der Techniken, die mir geholfen haben, an diesen Punkt zu kommen, sondern erhältst auch einen Praxisteil, in dem du sie in wenigen Minuten am Tag leichtfüßig und langfristig anwenden und verinnerlichen kannst.

Wenn du die Absicht hast, dich zu erneuern, tu es jeden Tag. – Konfuzius

Glaubt man den weisen Worten von Konfuzius, ist quasi jeden Tag Neujahr und jeder Tag ein guter Tag, um anzufangen. Schreib dir also genau jetzt  eine Gewohnheit auf, die du für 2020 – oder besser noch für das neue Jahrzehnt – entwickeln möchtest. 

Das Motto lautet: Besser jetzt als nie. 
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Quellen:

[1] Fast jeder scheitert bei der Umsetzung seiner Ziele Anthony Robbins (2012): Change, Robbins Research International

[2] Nur 5 % unserer Entscheidungen sind bewusst: Zaltmann, Gerald (2003): How Customers Think: Essential Insights into the Mind of the Market

[3] Mini-Gewohnheiten als Erfolgsrezept Stephen Guise (2018): Viel Besser als gute Vorsätze: Wie Sie mit Mini-Gewohnheiten Maxi-Erfolge erleben

[4] Die Effekte von Implementierungsplänen Gollwitzer, P. M. (1999). Implementation intentions: Strong effects of simple plans. American Psychologist, 54, 493-503

[5] Wie Erkenntnis und Motivation zusammenhängen:The vololitional benefits of planning" in P.M. Gollowitzer & J.A. Bargh (Eds.) (1996): The psychology of action: Linking cognition and motivation to behaviour (pp. 287–312)

[6]  Gewohnheiten stapeln: S.J. Scott (2013): Habit Stacking: 97 Small Life Changes That Take Five Minutes Or Less

[7] 66 Tage bis zur festen Gewohnheit Lally, Phillip- pa/H.M.Van Jaarsveld, Cornelia/Potts, Henry W.W./Wardle, Jane (2009): How habits are formed: Modelling habit formation in the real world, in: European Journal of Social Psychology, Ausgabe 40 (6)

[8] Wie Gewohnheiten entstehen: Lally, Phillip- pa/H.M.Van Jaarsveld, Cornelia/Potts, Henry W.W./Wardle, Jane (2009): How habits are formed: Modelling habit formation in the real world, in: European Journal of Social Psychology, Ausgabe 40 (6)

[9] Ziele motivieren uns stärker, wenn sie zu unseren Werten passen: Levontin, L. / Bardi, A. (2019): Using Personal Values to Understand the Motivational Basis of Amity Goal Orientation, in: Frontiers in Psychology, Ausgabe 9

[10] Tim Schlenzig: 12 Gewohnheiten, die dein Leben verändern, S 44-45

[11] Charles Duhigg (2012): Die Macht der Gewohnheit

[12] Warum Schokoriegel immer an der Kasse liegen Blog/James Clear: Why Stores Place Candy by the Checkout Counter (And Why New Habits Fail)

[14] Newsletter: James Clear (17. Oktober 2019):  3 Ideas, 2 Quotes, 1 Question

[15] Studie: Marketta, Niemelä & Perrti Saariluoma Universität Jyväskylä (2003): Layout Attributes and Recall

[16] Die Farbe der Teller beeinflusst nachweislich unser Essverhalten: Brian Wansik, Koert van Ittersum (2012): Plate Size and Color Suggestibility: The Delboeuf Illusion’s Bias on Serving and Eating Behavior, Journal of Consumer Research, Volume 39, Issue 2, 1 August 2012, Pages 215–228

 [17] Die Größe der Teller beeinflusst nachweislich unser Essverhalten: Brian Wansik, Koert van Ittersum (2012): Plate Size and Color Suggestibility: The Delboeuf Illusion’s Bias on Serving and Eating Behavior, Journal of Consumer Research, Volume 39, Issue 2, 1 August 2012, Pages 215–228

6 Kommentare

Vielen herzlichen Dank für die tollen Artikel, die ihr jede Woche veröffentlicht.

Zu den Gewohnheiten: ich habe festgestellt, dass es für mich einfacher ist, eine Gewohnheit nach der anderen in mein Leben aufzunehmen. Oft will man ja ALLES zur gleichen Zeit; Fitness, gesünder essen, mehr Me-Time, mehr von diesem, weniger von jenem, etc.

Ich habe mir eine Liste gemacht und pro Monat nur eine neue Gewohnheit definiert. zB Oktober 10 Minuten früher aufstehen. November Morgenmeditation. Dezember 5-Franken-Stücke sammeln, etc.. Die neue Gewohnheit mach ich dann konsequent jeden Tag pro Monat und im nächsten Monat kommt eine neue dazu. So schafft man es im Handumdrehen pro Jahr 12 neue Gewohnheiten einzuspielen.
Christine 04 Januar, 2020

Hallo Dominik,

erst einmal vielen Dank für die tollen Ideen zur Etablierung von neuen positiven Gewohnheiten in meinem Leben. Ich wollte mich noch einmal ganz herzlich für das Veröffentlichen des 6 Minuten Tagebuchs bedanken, da ich schon mehrere Bücher im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung gelesen und an mir selbst getestet hatte und keins davon die Infos so kompakt und auch verständlich verpackt hatte, wie Ihr es geschafft habt. Respekt. Außerdem bietet Ihr zusätzlich zu den Büchern auch noch den kostenlosen Newsletter an, um Menschen zu einem erfüllteren Leben zu verhelfen. Einfach Klasse. Weil ich von eurer Motivation überzeugt bin, haben schon viele besondere Menschen aus meinem Freundeskreis das 6 Minuten Tagebuch als Geschenk erhalten und ich bin mir sicher, dass daraus etwas positives für Ihr Leben rausspringt :-)

Als Verbesserung, würde ich mir wünschen, dass das neue Buch auch direkt über euch bezogen werden kann und ich nicht aus bequemlichkeit mich daran beteilige, dass Jeff Bezos (Amazon) noch reicher und einflussreicher wird…. PS: Habs jetzt über meinen Buchhändler vor Ort bestellen. Euch alles gute für das neue Jahr ;-)

Marco 04 Januar, 2020

Herzlichen Dank Dominik für diese wertvollen Anregungen. Langfristig etwas zur Gewohnheit machen mit einfachen, aber effektiven Methoden. Das möchte ich gerne für mich nutzen.
Sehr gerne möchte ich mir einmal das 6-Minuten-Erfolgsjournal ansehen, habe noch keine konkrete Vorstellung von diesem Werk. Gibt es im Netz eine Möglichkeit einmal ein paar Seiten als Blick ins Buch zu sehen?
Ein gutes 2020 wünscht
Uschi

Uschi 02 Januar, 2020

Hui das waren aber viele Informationen. Danke für diese tollen Tipps, die konnte ich schon beim Lesen auf meinen eigenen Alltag übertragen! Kommt nicht allzu oft vor bei so „Tipp-Blogbeiträgen", da oftmals auch viel heiße Luft dabei ist… die Quellen helfen! Danke für die Mühe :-)

Ayla Z. 02 Januar, 2020

Hallo Dominik, der Artkel gefällt mir sehr gut! Schön strukturiert und wertvoller Inhalt.

Ich glaube mit dem Thema Gewohnheiten hat so gut wie jeder Mensch zu tun. Nur so gut wie kein Mensch hat Lust sich so richtig damit zu beschäftigen weil die meisten Gewohnheiten schlecht und anstrengend zu ändern sind.

Mir ist aufgefallen, dass “Gewohnheiten-Tetris” in vielerlei Hinsicht schon zu meinem Leben gehört. Dein Beitrag hat mir noch mal den Anstoß gegeben es doch noch mal mit der Meditation zu probieren. Ich trinke meinen Kaffee sowieso etwas kälter und werde sie einfach an den Kaffee anhängen. Dann setze ich mich nach dem Kaffee auf das Meditationskissen, das schon bereit liegt und vor 2 jahren gekauft wurde.
Der Kaffee ist meine Belophnung und ich habe Tipp 2, 6 und 7 vereint. Wie du siehst, konnte ich mir sehr viele Tipps absehen.

Lieben Gruß,
Maria

Maria 02 Januar, 2020

Ich habe erst kürzlich das Buch von Charles Duhigg zu Gewohnheiten gelesen und fand es sehr spannend. Gestört hat mich nur, dass man 20 verschiedene Geschichten liest, die ein und dasselbe aussagen, aber die Frage wie man Gewohnheiten denn im eigenen Leben nutzen kann bleibt unbeantwortet.

Also war ich vor Weihnachten im Buchhandel und habe nach einem Praxisratgeber für gefragt und empfohlen wurde mir wieder dasselbe Buch von Charles Duhigg. Da kommt mir dieser Beitrag wie gerufen, ich mag den wissenschaftlichen Stil gepaart mit alltagsnahen Beispielen!

Auch um 7 Uhr morgens auf dem Weg zur Arbeit super verständlich und dieser Kommentar kommt frisch aus der Münchener U-Bahn :) Ich werde berichten, wie mir die Tipps geholfen haben…

Rainer 01 Januar, 2020

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