Negative Glaubenssätze annehmen und in positive umwandeln

Lena Schulte | 11-03-2021 | 5 min Lesezeit

Ich bin außerordentlich gut darin, schlecht zu sein. Gib mir eine noch so einfache Lebenslage und ich schaffe es, zu versagen …

Das denke ich zumindest gerne mal. Vor allem nach Niederlagen, wenn in mir alles drunter und drüber geht und mein Kopf überall ist – nur nicht bei mir. Dann sehe ich mich um, zu den anderen, wie sie das Leben meistern, und denke mir: Du kriegst echt gar nichts auf die Reihe. Klar, das ist Quatsch. Und vielleicht auch eine etwas zu leidenschaftliche Liaison mit der Opferrolle. Nichtsdestotrotz macht es etwas mit uns, wenn die meiste Zeit unsere Fehler in unserem gedanklichen Fokus stehen.  

Von negativen Glaubenssätzen hast du vielleicht schon einmal gehört. Das sind diese Gedanken in unserem Kopf, die uns das Leben schwerer machen, als es sein müsste. Sie können sich so gut tarnen, dass wir sie oft gar nicht bewusst wahrnehmen. Deswegen ist es oft eine Herausforderung, überhaupt zu erkennen, dass uns ein negativer Glaubenssatz im Weg steht (mehr dazu, wie du negative Glaubenssätze erkennst, findest du hier). Und als ob das nicht genug wäre, kann sich das Loswerden dieser Glaubenssätze auch als ziemlich tückisch gestalten. 

Um genau diese Herausforderung (oder im besten Fall um diese Metamorphose) soll es in diesem Blog gehen. Denn leider ist es meistens nicht damit getan, sich als Gegenmittel einfach bis zum Gehtnichtmehr positive Sprüche einzutrichtern, um einen hinderlichen Glaubenssatz loszuwerden. Aber es gibt andere Methoden. Voraussetzung ist, dass du deine negativen Glaubenssätze bereits kennst. 

DIE POSITIVE SEITE NEGATIVER GLAUBENSSÄTZE

Es fällt leichter, Dinge anzunehmen, wenn wir sie verstehen. Deswegen kann es sich lohnen, mit unseren negativen Glaubenssätzen in den Dialog zu treten und sie gründlich zu erforschen. Denn wenn dich ein negativer Glaubenssatz seit Ewigkeiten begleitet und so gnadenlos auf sein Existenzrecht pocht, dann hat das oft seine Gründe. 

Wir denken uns vielleicht schon seit Jahren: Ich bin nicht gut genug. Oder: Ich werde niemals eine Partner*in finden und für immer alleine bleiben. Oder: Ich kann niemandem vertrauen. Selbst wenn wir von unserem Verstand her wissen, dass wir uns da gerade Unsinn erzählen – diese Gedanken können tief in uns drin richtig wehtun und sind nicht mal eben mit einem buddhistischen Lächeln locker-flockig wegzuzaubern. 

Allerdings besteht auch die Möglichkeit, dass negative Glaubenssätze uns nicht nur torpedieren wollen, sondern eine positive Absicht verfolgen: uns vor Enttäuschungen und Schmerz zu schützen.

  • Wenn ich denke, ich werde für immer alleine bleiben, macht mich das auf der einen Seite vielleicht traurig. Auf der anderen Seite brauche ich jetzt jedoch nicht mehr auf anstrengende Dates zu gehen – und erspare mir somit einen potenziellen Griff ins Tinder-Klo und weiteren Frust. Vielleicht habe ich die Erfahrung gemacht, dass dieser Frust nämlich sehr viel mehr wehtut als der Gedanke, allein zu bleiben. Da weiß ich immerhin, was mich erwartet.
  • Wenn ich denke, ich bin nicht gut genug, brauche ich bestimmte Dinge, bei denen ich potenziell versagen könnte, gar nicht erst ausprobieren – und auch hier schütze ich mich vor einer (erneuten) Enttäuschung, die mein Selbstwertgefühl massiv angreifen kann und wahrscheinlich schwerer zu ertragen wäre.
  • Wenn ich denke, dass alle Menschen schlecht sind und mir etwas Böses wollen, habe ich ein festes Weltbild, das mir in Zeiten der Unsicherheit Halt, Erklärungen und Antworten gibt. Es macht die Unberechenbarkeit der Welt berechenbar und gibt mir das Gefühl von Kontrolle.

Vielleicht hält nicht jeder negative Glaubenssatz auf den ersten Blick eine übergeordnete Schutzfunktion bereit – aber wenn ich mal nicht weiß, wie ich einen unliebsamen Glaubenssatz annehmen kann, dann hilft es mir oft, mir ins Gedächtnis zu rufen: Mein Geist arbeitet prinzipiell nicht gegen, sondern für mich.

MIT POSITIVEN AFFIRMATIONEN GEGEN NEGATIVE GLAUBENSSÄTZE 

Negative Glaubenssätze stehen in einem untrennbaren Verhältnis zu unserem Selbstwertgefühl, denn sie erzählen uns Geschichten über unsere Identität und wie wir die Welt sehen. Wenn ich seit langer Zeit denke, ich bin nicht liebenswert, dann ist das eine Überzeugung, die sich tief in die Gefühls- und Identitätswelt eingegraben hat. Damit positive Affirmationen wirken können, müssen wir sie auch wirklich glauben. Eine positive Affirmation wird auch Selbstbekräftigung genannt, die wir uns immer wieder sagen, um unsere Gedanken und letztlich unser Verhalten Stück für Stück zu verändern. Dafür sind ein paar Schritte hilfreich:

1. Ziel-Glaubenssatz formulieren

Was möchtest du über dich denken, was dir in deinem Leben wirklich weiterhilft und dir Kraft gibt? Welche alten negativen Glaubenssätze möchtest du wie ändern? Hier ein paar Ideen dazu:

Niemand liebt mich →  Ich bin liebenswert und es gibt genug Menschen, die das genauso empfinden.

Ich bin nicht gut genug → Ich reiche vollkommen aus, auch wenn ich nicht perfekt bin. Niemand ist perfekt.

Ich werde nie Karriere machen → Ich bin ein lernfähiger Mensch und habe genug Kompetenzen, um Karriere zu machen, auch wenn der Weg steinig ist.

2. Den Zeitfaktor aktiv mit einplanen

Unser Gehirn ist ein Gewohnheitstier. Wenn wir jahrelang regelmäßig einen bestimmten negativen Gedanken über uns hatten, wird dieser nicht nach zwei Tagen verschwinden. Hier lautet der Schlüssel Geduld, Geduld und nochmals Geduld. 

Zum Zeitfaktor und der Macht der Worte haben die Neurowissenschaftler Dr. Andrew Newberg und der Kommunikationsexperte Mark Robert Waldmann Folgendes in ihren Studien [1] [1] Wortwahl und Zeitfaktor: Words can change your brain  herausgefunden: Je länger wir unser Bewusstsein mit positiven Wörtern und Glaubenssätzen beschäftigen, desto mehr werden davon auch andere Hirnregionen beeinflusst – und desto mehr verändert sich auch das Verhältnis, wie wir uns und unsere Mitmenschen wahrnehmen. Geduld zahlt sich in diesem Falle also auch für unsere Mitmenschen aus.

3. Etappen-Glaubenssätze formulieren

Wenn ich mir früher plötzlich jeden Tag erzählt hätte, dass ich vollkommen ausreiche, hätte ich mir das nicht mal so eben geglaubt. Schließlich hat mir die Erfahrung gefehlt, die mir meine positive Affirmation bestätigt hätte. Ich habe ein paar (kleine) Schritte mehr gebraucht. Schritte, die keinen Widerstand in mir ausgelöst haben. Also habe ich Etappen-Glaubenssätze ausprobiert. Die sahen so aus:

Ich bin nicht gut genug – Ich bin ab und zu gut genug – Ich bin immer mal wieder gut genug – Ich bin mehr gut genug als schlecht – Ich reiche vollkommen aus

Sobald ich genügend Beweise in meinem Leben gefunden hatte, dass ich „ab und zu mal gut genug bin“ und mir das wirklich glauben konnte, ging es zur nächsten Etappe und so weiter. Wichtig hierbei ist eine generelle Offenheit gegenüber der Tatsache, dass der alte, schädliche Glaubenssatz vielleicht nicht so wahr ist, wie ich immer dachte.

Das 6-Minuten-Erfolgsjournal kann dir gezielt dabei helfen, deine Erfolgsschritte beim Ändern deiner negativen Glaubenssätze festzuhalten. Du kannst zum Beispiel für ein paar Wochen deinen Fokus darauf legen, dir einen positiven (Teil-) Glaubenssatz immer wieder zu verdeutlichen und aktiv diejenigen Momente niederschreiben, in denen du etwas erlebt hast, das deinen positiven Glaubenssatz bestätigt hat. 

Was ist ein negativer Glaubenssatz, den du unbedingt umwandeln möchtest? Und was wird deine erste Etappe sein? Schreib uns gerne deine (ersten) Erfolge in die Kommentare. 

 

 

Dieser Beitrag stammt von Lena Schulte, hauptberufliche Grinsebacke und Online-Redakteurin. Seit ihrem Studium der Kognitionswissenschaft ist sie fasziniert vom menschlichen Bewusstsein und veranstaltet in der Redaktion gerne mal heimliche Wahrnehmungs-Experimente.

 

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Quellen:

[1] Wortwahl und Zeitfaktor: Newberg, Waldmann (1994): Words can change your brain

5 Kommentare

Hey, ihr habt hier im Artikel ganz oben einen Vermerkt, der zum Artikel führen soll, wie ich meine negativen Glaubenssätze erkenne. Er leitet auf shopify aber ist leer. Könntet ihr mir bitte diesen Link schicken. Ich weiß zwar, dass etwas enorm schief läuft bei mir aber ich finde den Glaubenssatz nicht wirklich.

Ganz lieben Dank euch im Voraus.

Liebe Grüße,
Andrea 😊💚

Andrea 18 Mai, 2021

Die Formulierung “ab und zu bin ich gut genug” – und ähnliche – würde mich nicht weiter bringen. Sie transportiert den erlebten Mangel der eigenen Person zu deutlich und verzögert mindestens die eigene Entwicklung, auch wenn der Mangel nicht direkt angesprochen wird. Bei Sensiblen könnte es uU sogar zu einer Verstärkung des Mangelerlebnisses führen.
Denn ich suggeriere mir, dass ich eben im Großen und Ganzen nicht genug bin, sondern nur ausnahmsweise. Ich focussiere den Mangel, statt mich davon zu lösen.
Kleine Schritte gehen ist nicht der Zwang, denselben Weg weiter auszutreten.
Besser scheint mir zu sein, den empfundenen Mangel als Persönlichkeitsmerkmal zu akzeptieren, ja als solchen willkommen zu heißen – sich mit ihm persönlich respektvoll bekannt zu machen und dann nach seiner Integration freundlich gehen zu lassen.
Ist weder zeitaufwendig noch bedarf es großer Vorbereitungen oder eine Altars. Das kann jeder mit etwas Konzentration und Hingabe und ein wenig Übung selbst gestalten.
Es geht wirklich gut und zuverlässig. Nur angstfrei einlassen muss man sich. Nebenwirkung: Glücksgefühl!

Ulrich 21 März, 2021

Das hõrt sich gut an, ich glaube erst aus dieser Kraft der Selbstùberzeugung und Selbstmanagement schaffen wir es und sich in anderen Talenten aus zu probieren ist nie verkehrt und bringt uns eher næher an uns selbst.

Pfründer Ursula 19 März, 2021

Hey Lena,

der Artikel ist wirklich toll geschrieben. Vielen Dank dafür!

Liebe Grüße aus Würzburg,
Marcel

Marcel Gollin 19 März, 2021

“Du nutzt dein Potential nicht. Du kannst so viel mehr. Du kannst es besser. Du tust nie genug.”
Ich bin Darline und hochbegabt. Ich wurde an der Realschule gemobbt, weil ich zu gut in der Schule war. Und dann kam ich in eine Hochbegabten-Klasse und mit einem mal war ich nicht mehr gut genug. “Was du auch machst, du machst es falsch.” Das alles hat sich eingebrannt.

Vor einem Jahr habe ich es nicht mehr ausgehalten, diesen Glaubenssätzen zu folgen. Ich habe mein Masterstudium für Biowissenschaften in der Masterarbeit abgebrochen – in dem Beruf möchte ich niemals arbeiten. Ich habe eine Yogaausbildung gemacht. Ich habe genug Sicherheit bekommen und genug gutes Feedback, sodass ich jetzt langsam glaube “Möglicherweise bin ich jetzt schon gut genug. Ich bin nebenberuflich selbstständig. Ich kann das bestimmt auch hauptberuflich schaffen. Ich weiß noch nicht alles und kann noch viel lernen. Ich will viel lernen und mich noch weiterentwickeln, aber nicht, weil ich nicht gut genug bin, sondern weil ICH es möchte. Aus Neugier.”

Darline 17 März, 2021

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