Was tun bei Schulstress? – 4 Tipps für einen entspannten Schulalltag

Maria Röckmann | 30-09-2021 | 5 min Lesezeit

Freundschaften schließen und spannende Dinge lernen. Individuelle Talente entdecken, kreativ sein und eine Menge Spaß haben. So kann Schule aussehen – wenn alles gut läuft.

Leider ist das nicht immer der Fall. In Deutschland fühlt sich fast die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen von Schule und Lernen unter Druck gesetzt. 

Zu diesem Ergebnis kommt die Krankenkasse DAK, die jedes Jahr Kindern und Jugendliche nach ihrem Stressempfinden befragt. [1] [1] Präventionsstudie: Kinder-und Jungendgesundheit in Schulen  Das Ergebnis ist immer sehr ähnlich. Viele Schüler:innen leiden an stressbedingten Bauch- und Kopfschmerzen oder Schlaflosigkeit. Es gibt zudem jede Menge Hinweise darauf, dass die Pandemie die psychische Belastung von Kindern und Jugendlichen noch verschärft hat. [2] [2] Studie der DAK: Jedes achte Schulkind ist unglücklich

Zum Glück kann dein Kind einen gesunden Umgang mit Schulstress lernen. Die folgenden Tipps helfen ihr oder ihm dabei: 

1. Ein entspannterer Umgang mit      Schulnoten

Mal ganz ehrlich: Hast du selbst schlaflose Nächte, kurz bevor es bei deinem Kind Zeugnisse gibt? Machst du dir und deinem Kind eine Menge Druck, was Leistungen betrifft?

Wenn du selbst lernst, gelassener mit dem Thema Noten umzugehen, profitiert auch dein Kind davon. Eine Studie der Arizona State University verglich Kinder von Eltern, die einen besonders großen Wert auf Leistung und Erfolg legten, mit solchen, für die soziale Fähigkeiten einen mindestens ebenso hohen Stellenwert einnahmen. Kinder der zweiten Gruppe waren nicht nur selbstbewusster und ausgeglichener: Auch in der Schule waren sie erfolgreicher als die Kinder, deren Eltern ihren Nachwuchs zu sehr unter Druck setzten. [3] [3] Eltern sollten keinen Druck ausüben: Parents should avoid pressuring young children over grades

Wenn dein Kind eine schlechte Note nach Hause bringt, dann biete Unterstützung an, anstatt es zu kritisieren und ihr oder ihm Vorwürfe zu machen. Folgende Fragen können dabei helfen:

  • Wie fühlst du dich mit dieser Note?
  • Warum war der Test in Bio so schwierig?
  • Was kannst du machen, damit es beim nächsten Mal besser klappt?
  • Wie kann ich dich unterstützen? 

So merkt dein Kind, dass man Schwierigkeiten nicht alleine meistern muss und wird nie mit Bauchschmerzen nach Hause gehen, weil es ein schlechtes Zeugnis bekommen hat.

In der Mitte von Schwierigkeiten liegen die Möglichkeiten. – Albert Einstein

2. Aus Fehlern lernen mit der richtigen Taktik

„Kann ich nicht. Hab ich noch nie gekonnt. Werd’ ich auch nie können.“ So reagieren viele Kinder auf schulische Misserfolge. Es geht aber auch so: „Ich habe ein paar Fehler gemacht. Diese zeigen mir, woran ich noch arbeiten muss. Und wenn ich mir Mühe gebe, klappt es beim nächsten Mal sicher besser.“ 

Diese beiden beschriebenen Denkweisen nennt die Psychologin Carol Dweck starres Denken und Wachstumsdenken. Wachstumsdenken ist der Glaube daran, dass man Fähigkeiten durch Übung verbessern kann. Kinder mit so einer Einstellung sind nicht nur erfolgreicher, sondern fühlen sich auch weniger gestresst. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie unter Schüler:innen im ersten Jahr der High School. [4] [4] Weniger Stress dank Wachstumsdenken: An Entity Theory of Intelligence Predicts Higher Cortisol Levels When High School Grades Are Declining 

Hier ein paar Ideen, um mit deinem Kind Wachstumsdenken und Resilienz zu trainieren und Schulprobleme lösungsorientiert anzugehen:

  • Zeig deinem Kind Videos von seinen ersten Geh-, Kletter- oder Radfahrversuchen. So kannst du ihm oder ihr bildlich veranschaulichen, dass man beim Lernen einer neuen Fähigkeit erst ein paar Mal hinfallen muss, bevor es klappt. 
  • Ermutige dein Kind, neue Lerntaktiken auszuprobieren. Dein Kind kann sich einfach keine Vokabeln merken? Versucht es doch mal mit Bildkarten oder erfindet lustige Geschichten, in denen die Wörter vorkommen. Übt Kopfrechnen beim Kaufladen spielen und Geometrie, indem ihr zu Hause die Möbel ausmesst. 
  • Gibt es jemanden, den dein Kind bewundert? Einen berühmten Schauspieler, eine Sängerin oder einen Fußballstar? Erkläre deinem Kind, dass selbst weltberühmte Menschen viel üben und so manchen Rückschlag einstecken mussten, bevor sie Erfolge feiern konnten.

Übrigens: Das 6-Minuten Tagebuch für Kinder ist extra dafür konzipiert, dieses Wachstumsdenken täglich zu üben und zu festigen. Darin findest du auch weitere Tipps und Übungen. Und gratis dazu gibt es übrigens ein komplettes E-Book mit allem, was du noch über Wachstumsdenken wissen wolltest und wie du es fördern kannst. Zum Beispiel, wie du dein Kind auf die richtige Weise lobst.

Ein Genie macht keine Fehler. Seine Irrtümer sind Tore zu neuen Entdeckungen. – James Joyce

3. Freies Spielen statt Freizeitstress

Aikido, Jazz-Dance, Schach, Tennis, Jonglieren und Fotografie. Die Auswahl an möglichen Freizeitaktivitäten scheint heute unbegrenzt. Als Eltern geraten wir da schnell unter Druck. Verbauen wir unseren Kindern die Zukunft, wenn wir es nicht mindestens zweimal die Woche zur Klavierstunde schicken, am Wochenende zum Französischunterricht und in den Schulferien zum Workshop „Programmieren für Grundschüler“? Schließlich sollten wir es doch in allen Bereichen seiner Entwicklung fördern, oder?

Zum Glück geht es auch viel einfacher und stressfreier: Lass dein Kind einfach so oft es geht spielen. Freies Spiel, ohne detaillierte Anweisungen von Erwachsenen, fördert u. a. das kreative Denken, die sprachliche und körperliche Entwicklung sowie die sozialen Fähigkeiten. Außerdem ist es ein tolles Mittel gegen Stress – übrigens nicht nur für die Kleinen: Wenn du selbst mitmachst, kannst du dich zwischen Spielzeug Raumschiffen und der Plüschtierfamilie von den Anforderungen des Alltags erholen und einfach mal abschalten. [5] [5] Altersgerechtes Spiel mit den Eltern reduziert Stress bei Kindern: The Power of Play: A Pediatric Role in Enhancing Development in Young Children

Natürlich gibt es auch Hobbys, die dein Kind in seiner Entwicklung unterstützen können und ein guter Ausgleich zum Schulalltag sind. Aber weniger ist mehr. Statt den Terminkalender vollzupacken, wähle Hobbys bewusst aus und gehe vor allem danach, was deinem Kind Spaß macht. 

Wenn man genügend spielt, solange man klein ist, dann trägt man Schätze mit sich herum, aus denen man später sein ganzes Leben schöpfen kann. – Astrid Lindgren

4. Ausgeschlafene Kinder sind entspannte Kinder

Sicher hast auch du schon mal unausgeschlafene Kinder am Frühstückstisch erlebt. Da fließen die Tränen, weil du das Butterbrot in Dreiecke und nicht in Vierecke geschnitten hast. Oder es bricht ein Streit darüber aus, wer die blaue und wer die gelbe Müslischale bekommt. Was viele Eltern intuitiv ahnen, konnte auch die Wissenschaft nachweisen: Kinder (und übrigens auch Erwachsene), die zu wenig schlafen, haben Schwierigkeiten, ihre Emotionen zu regulieren. [6] [6] Schlaf hilft, Emotionen zu regulieren: Sleep, Affect, and Social Competence from Preschool to Preadolescence: Distinct Pathways to Emotional and Social Adjustment for Boys and for Girls   Somit macht Schlafmangel auch anfälliger für Stress. Umgekehrt können gestresste Menschen häufig nicht gut schlafen und es entsteht ein Teufelskreis. [7] [7] Über die Beziehung zwischen Schlaf und Emotionen: Emotion, emotion regulation and sleep: An intimate relationship

Mit diesen Tipps unterstützt du dein Kind dabei, nachts wieder gut durchzuschlafen:

Am Ende kommt es darauf an, was Eltern ihren Kindern vorleben. Wie sieht es eigentlich bei dir selbst aus? Fühlst du dich häufig überfordert und gestresst? Sei deinem Kind ein gutes Vorbild und finde Wege, auch in deinem eigenen Alltag gelassener zu bleiben. Anregungen findest du zum Beispiel in unserem wöchentlichen 6-Minuten-Newsletter.

 

Dieser Beitrag stammt von Maria Röckmann. Beim Journalismus-Studium in Down Under hielt sie eines Tages einem Mann ein Mikro vor die Nase, verliebte sich in ihn und blieb dort. Wenn sie nicht gerade mit ihren Kindern die Spielplätze in Brisbane abklappert, schreibt sie für UrBestSelf oder an ihrem ersten Roman.

 

 Quellen:

[1] Präventionsstudie: Kinder-und Jungendgesundheit in Schulen

[2] Studie der DAK: Jedes achte Schulkind ist unglücklich

 [3] Eltern sollten keinen Druck ausüben: Parents should avoid pressuring young children over grades 

[4] Weniger Stress dank Wachstumsdenken: An Entity Theory of Intelligence Predicts Higher Cortisol Levels When High School Grades Are Declining 

[5] Altersgerechtes Spiel mit den Eltern reduziert Stress bei Kindern: The Power of Play: A Pediatric Role in Enhancing Development in Young Children

[6] Schlaf hilft, Emotionen zu regulieren: Sleep, Affect, and Social Competence from Preschool to Preadolescence: Distinct Pathways to Emotional and Social Adjustment for Boys and for Girls

[7] Über die Beziehung zwischen Schlaf und Emotionen: Emotion, emotion regulation and sleep: An intimate relationship

[8] Der Zusammenhang zwischen Schlafproblemen und Bildschirmnutzung: Youth screen media habits and sleep: sleep-friendly screen-behavior recommendations for clinicians, educators, and parents

 [9] Meditation hilft bei Grübeleien: Getting Out of Rumination: Comparison of Three Brief Interventions in a Sample of Youth

[10] Dankbarkeit kann beim Einschlafen helfen: Gratitude influences sleep through the mechanism of pre-sleep cognitions

2 Kommentare

Liebe Maria,
Kinder keinen Druck spüren zu lassen ist natürlich immer total leicht gesagt. Zumal wir uns oft selbst Druck gemacht haben, als wir selber jung waren. Aber es stimmt natürlich, dass ich heute das Gefühl habe, dass meine Kinder viel gestresster sind als wir es früher waren – obwohl das Leben eigentlich nicht schwerer wird. Deshalb danke ich dir für deine tollen Anregungen. Die Zeit am Bildschirm zu reduzieren versuchen wir schon. Und auch die 3 guten Dinge des Tages aufzuzählen mache ich seit einiger Zeit. Wir werden auch Das 6-Minuten Tagebuch für Kinder ausprobieren. Ich hoffe, von euch sind bald noch mehr Tipps für Kinder zu lesen. :-)

Soshanna 01 November, 2021

Hallo Maria,

danke für deinen schönen Blog-Beitrag. Ich finde besonders toll, dass du dabei hilfst, das Wachstumsdenken von Carol Dweck publik zu machen. Ich finde das Konzept so gut und habe mir damit eine neue Lob- und Motivations-Strategie für meinen 6-Jährigen angewöhnt. Man merkt richtig den Unterschied. Alles Gute dir

Vladek 01 November, 2021

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