Wie Dankbarkeit dein Gehirn verändert

Frauke Harlis | 26-03-2019 | 3 min Lesezeit

Stell dir vor, du lebst mit jemandem zusammen, der dich immer an die schönen Dinge in deinem Leben erinnert. Jemand, der dir morgens zeigt, dass die knusprigen Froot Loops in deinem Müsli gerade wie ein Regenbogen aussehen und welche Vögel du auf dem Weg zur Arbeit zwitschern hören kannst. Wenn du abends im Bett liegst, erinnert er dich daran, dass die Decke warm und schützend über dir liegt und ganz nebenbei sind negative Emotionen wie Neid, Wut oder Angst in seiner Gegenwart wie weggeblasen. [1] [1] Dankmuskel bitte anspannen: www.spiegel.de/Psychologie/Dankbarkeit Tatsächlich wohnt schon so jemand in dir. Oder besser gesagt wohnt SIE schon in dir. Der Name der guten Dame? Dankbarkeit!

Dein Gehirn als Haus

In unserem Gehirn bündeln sich Millionen von Nervenzellen zu verschiedenen Regionen, die für die unterschiedlichsten Dinge zuständig sind: Für das Sprechen, Rollschuhfahren, der Gedanke an Halle Berry [2] [2] Die Halle Berry Zelle: www.welt.de/Eine-Nervenzelle-erkennt-Halle-Berry  oder eben Dankbarkeit. Stark vereinfacht kann man sich das Gehirn als Haus mit vielen tausenden Wohnungen vorstellen, in denen kleine Helferlein leben, die sich besonders gut mit ihren jeweiligen Spezialgebieten auskennen.

Wo Dankbarkeit in deinem Gehirn wohnt

Damit diese Helferlein sich bei dir wohlfühlen, müssen die Räumlichkeiten genutzt und bewirtschaftet werden. Wer seit Jahren nicht mehr im Kopf gerechnet hat, wird vielleicht schon über 300:15 stolpern. Das Kopfrechnen-Helferlein ist aus seiner vernachlässigten Wohnung ausgezogen und damit nicht bereit, dir sofort zur Seite zu stehen. Ebenso verhält es sich mit der Dankbarkeit. Wofür du dankbar bist, weißt du umso besser, je öfter du dich das fragst. Die Neurowissenschaftler beschreiben das mit einem simplen Spruch: Use it or lose it [3] [3] Denken hilft: www.zeit.de/Hirnforschung - Gebrauche es oder es geht verloren.

Ein ungeübtes Gehirn ist schädlicher für die Gesundheit als ein ungeübter Körper. George Bernard Shaw

Das bewirkt Dankbarkeit

Um zu sehen, wie der regelmäßige Gebrauch von Dankbarkeit das Gehirn verändert, baten Forscher der University of Indiana ihre Probanden drei Wochen lang Dankbarkeit zu praktizieren, indem sie jemandem in einem Brief ihre Dankbarkeit ausdrückten. [4] [4] Kini et al. (2016): The effects of gratitude expression on neural activty An wen sie schrieben und ob sie den Brief auch wirklich abschicken wollten, durften sie dabei selbst entscheiden. Dass sich die Versuchskaninchen danach wesentlich besser fühlten, wurde bereits in anderen Studien beobachtet. [5] [5] Jackowska et al. (2015): The impact of a brief gratitude intervention on subjective well-being, biology and sleep Neu ist aber, dass dieser Effekt auch im Hirnscan nachgewiesen werden konnte: Das Schreiben der Briefe erzeugte eine Veränderung der Strukturen im medialen präfrontalen Cortex - eine Region, die mit Dankbarkeit und selbstbezogenen mentalen Aktivitäten assoziiert wird. [6] [6] Fox, Kaplan und Damasio (2015): Neural correlates of gratitude Das Gehirn wurde sozusagen durch die Dankbarkeit ummodelliert.

Lass die Dankbarkeit bei dir einziehen  

Das demonstriert deutlich: Dankbarkeit ist nicht nur ein Gefühl, das irgendwo herumschwirrt. Sie sitzt in deinem Kopf und verankert sich dort umso mehr, je öfter du dankbar bist. Immer wenn du deine Aufmerksamkeit bewusst auf etwas richtest, für das du dankbar bist, werden die neuronalen Verbindungen in deinem Gehirn gestärkt - etwa so, als würdest du die Heizung im Zimmer hochdrehen und es der Dankbarkeit so richtig gemütlich machen.

Und dann ist es wie beim gut geübten Kopfrechnen: Du musst nicht lange nachdenken, wofür du dankbar bist, es wird mehr und mehr zum automatischen Prozess. Zwei mal Zwei ist Vier und ich bin dankbar für ... !

 

Quellen:

[1] Dankmuskel bitte anspannen: www.spiegel.de/Psychologie/Dankbarkeit

[2] Die Halle Berry Zelle: www.welt.de/Eine-Nervenzelle-erkennt-Halle-Berry 

[3] Denken hilft: www.zeit.de/Hirnforschung

[4] Kini et al. (2016): The effects of gratitude expression on neural activty

[5] Jackowska et al. (2015): The impact of a brief gratitude intervention on   subjective well-being, biology and sleep

[6] Fox, Kaplan und Damasio (2015): Neural correlates of gratitude

3 Kommentare

Merci, es hat geholfen und hoilft jeden Tag :)(

Markus F. 28 Mai, 2019

Dann fang ich direkt mal an und sage DANKE! Danke für den guten und interessanten Beitrag. Da ich seit Januar das 6 Minuten Tagebuch in mein Leben integriert habe, ist die Dankbarkeit sowieso schon ein Teil von mir. Aber der Artikel bringt mich nochmal positiv zum nachdenken.

Michael Kräling 22 Mai, 2019

Danke für den aufschlussreichen Beitrag!
Ich werde versuchen meiner kleinen Dame zu Hause es so angenehm wie möglich zu machen 😊

Sebastian Hoffmann 16 Mai, 2019

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